Fantasy Life im Test: Rollentausch-Spiel

Animal Crossing trifft Rollenspiel

von Sergej Jurtaev
Fantasy Life Teaser
Aufwachen! Das Abenteuer beginnt.
Aufwachen! Das Abenteuer beginnt. (Quelle: Nintendo)

Schon vor zwei Jahre erschien Fantasy Life für den Nintendo 3DS in Japan und feierte Erfolge. Es war sogar so erfolgreich, dass Nintendo am 26. September endlich eine Veröffentlichung im Westen wagt. Doch was hat das Rollenspiel mit Animal Crossing-Anleihen zu bieten?

Guten Tag, darf ich mich vorstellen? Ich bin Oskar. Der heutige Tag ist ein ganz besonderer - so besonders, dass ich vor Aufregung mal wieder aus dem Bett gefallen bin. Heute ist der Tag der Tage, denn heute entscheide ich mich für ein „Leben“, so heißt das ja wohl. Okay, das klingt jetzt vielleicht etwas pathetisch, denn eigentlich ist es nichts anderes als ein Beruf, ein Job, eine Klasse.

Und jetzt stehe ich also vor der Wahl. Für welches Leben entscheide ich mich? Ich könnte Angler werden, das entspannte Leben in der Natur genießen und die exotischsten Fischarten der Welt fangen. Ich könnte Schmied werden, um aus seltenen Metallen noch seltenere Ausrüstung zu schmieden. Ich könnte Koch werden. Ich könnte Holzfäller werden. So viele superaufregende Berufe…

Fantasy Life Gameplay-Screenshots

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Anderer Job, gleiche Arbeit

Moment! Okay, Oskar - du hast jetzt Sendepause. Was er sagen wollte: So viele superaufregende Berufe hätten es sein können! Ohne Zweifel - das Herzstück von Fantasy Life ist das Klassensystem (das „Aber“ folgt). Nachdem ihr eine von zwölf Klassen gewählt habt, eröffnet sich eine Vielzahl von Aufgaben, die es zu erledigen gilt. Absolvierte Aufgaben haben Beförderungen zur Folge, die euch wiederum Zugang zu neuen, schwierigeren Aufgaben verschaffen. Eine tolle Tatsache ist, dass die Stadtbewohner auf euren Job und euren Rang reagieren und je nachdem andere Dialogzeilen von sich geben - das macht das Stadtleben lebendig und atmosphärisch.

Leider (das versprochene „Aber“) wird das mit den Klassen nicht so konsequent durchgehalten wie erhofft. Denn: Nachdem ihr eine Klasse gewählt habt, könnt ihr diese jederzeit wieder wechseln, was prinzipiell super ist. Dadurch ist es also möglich, innerhalb der ersten Spielstunden alle Lizenzen zu besitzen und die damit verbundenen Fähigkeiten. Nun könnt ihr auch als Söldner Bäume fällen, Erz abbauen, angeln, kochen und alles andere. Bedeutet, dass ihr als Söldner auch Aufgaben anderer Klassen erledigen könnt, nur abgeben könnt ihr diese nicht - hierzu müsst ihr wieder in die passende Klasse wechseln. Vor dem Spielen habe ich mir ausgemalt, dass ich erst Schürfer werde, um Ressourcen abzubauen, damit ich als Schmied Waffen herstellen kann, die ich letztlich als Paladin benutze. Das Spiel macht einem diese Motivation etwas kaputt, da ihr alles machen könnt, egal welcher Klasse ihr angehört.

Darüber hinaus sind die einzelnen Aufgaben nicht gerade spannend und unterscheiden sich inhaltlich weder horizontal noch vertikal stark voneinander: Als Schmied müsst ihr zum Beispiel ein Bronzeschwert schmieden; als Koch einen Schafbraten kochen - gekoppelt ist das an genau dasselbe Minispiel. Zudem sind die meisten Aufgaben eintönig und repetitiv (x-Einheiten fangen, kochen, schmieden et cetera). Es hat schon seinen Grund, warum Schwerter angesagt sind und Kochlöffel weniger ...

Eine große Spielwelt wartet darauf, erkundet zu werden.
Eine große Spielwelt wartet darauf, erkundet zu werden. (Quelle: Nintendo)

Große Welt mit vielen Möglichkeiten

So viel negative Energie ... lass mich lieber weitererzählen. Denn heute sind kuriose Sachen passiert. Ach ja, ich hab’ mich übrigens für die Paladin-Klasse entschieden, denn Schwerter sind wirklich cool.

Ich gehe also mit meinem neuen Schwert am Hauptplatz spazieren und betrachte stolz mein Spiegelbild im Wasser des Brunnen, bis mich plötzlich ein Tourist anrempelt. Er fragt mich, ob das hier dieses Animal Crossing sei oder so ähnlich. „Nein, das ist Kastell“, sage ich, „und es ist so imposant, dass man es gar nicht verwechseln kann.“ Mal ernsthaft. Kastell ist riesig, und es gibt Dutzende Einkaufsmöglichkeiten und noch mehr Aktivitäten und Stadtbewohner, mit denen man sich die Zeit vertreiben kann - heute erst habe ich mir einen Hund gekauft und mein Zimmer neu dekoriert.

Und wenn man erst die Stadttore hinter sich gelassen hat, erwarten einen Abenteuer ohne Gleichen. Saftige Wiesen, schaurige Wälder, finstere Höhlen, eisige Berge. Das alles gibt es hier und noch viel mehr. Ich bezweifle, dass dieses Animal Crossing oder so ähnlich da mithalten kann.

Später habe ich noch den König getroffen, der mich gefragt hat, ob …

Richtet euer Zimmer nach Belieben ein.
Richtet euer Zimmer nach Belieben ein. (Quelle: Nintendo)

Prinzessinnen, Drachen und andere Klischees

Ich glaube, ihr müsst kein Hellseher sein, um zu erraten, was kommt. Natürlich müsst ihr die Welt retten, die von dunklen Verdammnissteinen unterdrückt wird und friedliebende Drachen zu weniger friedliebenden macht. Das ist dann quasi die Geschichte, die ihr erleben „dürft“. Mit Klischees wird nicht gespart - Prinzessin befreien inklusive.

Lang bleibt die Frage offen, ob es überhaupt eine Geschichte gibt, denn diese braucht eine ordentliche Anlaufzeit. Letztendlich soll euch die Handlung weniger unterhalten, sondern dient eher dazu, neue Areale auf der Karte freizulegen, damit ihr weitere Nebenaufgaben in den Klassen absolvieren könnt.

Da Fantasy Life immer noch ein Rollenspiel ist, wird auch dementsprechend gekämpft. Die Kämpfe laufen in Echtzeit ab und sind recht simpel. Die Gegner folgen stets dem gleichen Schema und stürzen sich auf euch. Ohne Probleme könnt ihr die Gegner umlaufen und sie von hinten angreifen. Mit dieser Taktik lassen sich auch vermeintlich stärkere Gegner problemlos bezwingen. Tendenziell ist das Spiel eher zu leicht und wenig bis gar nicht fordernd.

Wenn ihr euch darauf einlasst, machen die Kämpfe und das Erkunden der Spielwelt aber dennoch unheimlich viel Spaß. Für noch mehr Laune könnte der Mehrspielermodus sorgen, mit dem ihr mit bis zu zwei Freunden - online oder lokal - gemeinsame Abenteuer erleben könnt (der Mehrspielermodus konnte zum Zeitpunkt des Tests nicht getestet werden).

Als Schmied könnt ihr eure eigene Ausrüstung schmieden.
Als Schmied könnt ihr eure eigene Ausrüstung schmieden. (Quelle: Nintendo)

Optisch nicht für jedermann

Die Optik von Fantasy Life ist so süß, dass einem die Augen kleben bleiben. Charmant ist es allemal, aber eben auch Geschmackssache. Drapiert ist die Welt mit unzähligen schrägen Charakteren, die aus anderen Nintendo-Spielen wie etwa The Legend of Zelda hätten entnommen sein können. Mit viel Liebe zum Detail und einer ordentlichen Portion Witz sind die Dialoge geschrieben und erstklassig lokalisiert - eine Sprachausgabe oder dergleichen gibt es aber nicht.

Für den Soundtrack ist einmal mehr Nobuo Uematsu verantwortlich, der zuletzt mit Hometown Story in ähnlichen Gefilden unterwegs war. Von allen Seiten klingt es nach Dur – fröhlich, heiter, aber letztendlich passend. Viele Ohrwürmer zaubern euch die gute Laune aufs Gesicht, was auf Dauer bei einigen Stücken nervtötend sein kann - es beziehungsweise von Anfang an ist, wenn euch die Musik genauso wie die Optik zu „kindlich“ ist.

Mit einem Pferd seid ihr schneller unterwegs.
Mit einem Pferd seid ihr schneller unterwegs. (Quelle: Nintendo)

Fazit

Wenn der Test eins zeigt, dann dass Fantasy Life auf dem schmalen Grat der Geschmäcker wandelt. Jüngere Spieler werden hier genauso viel Spaß haben wie diejenigen, die einfach mal abschalten möchten und ein Spiel ohne Aufregung erleben wollen. Wenn ihr eine spannende Geschichte sucht oder ein Rollenspiel mit Tiefe und Anspruch, so werdet ihr hiermit weniger glücklich. Dazu sind die Aufgaben zu leicht und die Kämpfe zu seicht. Konntet ihr aber schon bei Animal Crossing den Nintendo 3DS nicht mehr aus der Hand legen, so ist ein Déjà-vu nicht auszuschließen – Suchtpotenzial vorhanden!

Pro Contra
zwölf verschiedene Klassen Hauptstory enttäuschend
große Spielwelt Nebenaufgaben ohne Substanz
viel zu tun viele Klassen langweilig
Mehrspielermodus zum Teil lange Laufwege
sehr gute Lokalisierung zu leicht
Simulation
Große Monster gibt es auch in Fantasy Life.
Große Monster gibt es auch in Fantasy Life. (Quelle: Nintendo)

Fantasy Life: Fazit

Seicht, leicht und unbeschwert 7/10

Wenn der Test eins zeigt, dann dass Fantasy Life auf dem schmalen Grat der Geschmäcker wandelt. Jüngere Spieler werden hier genauso viel Spaß haben wie diejenigen, die einfach mal abschalten möchten und ein Spiel ohne Aufregung erleben wollen. Wenn ihr eine spannende Geschichte sucht oder ein Rollenspiel mit Tiefe und Anspruch, so werdet ihr hiermit weniger glücklich. Dazu sind die Aufgaben zu leicht und die Kämpfe zu seicht. Konntet ihr aber schon bei Animal Crossing den Nintendo 3DS nicht mehr aus der Hand legen, so ist ein Déjà-vu nicht auszuschließen – Suchtpotenzial vorhanden!

Das hat uns gefallen

  • zwölf verschiedene Klassen
  • große Spielwelt
  • viel zu tun
  • Mehrspielermodus
  • sehr gute Lokalisierung
  • Simulation

Das hat uns nicht gefallen

  • Hauptstory enttäuschend
  • Nebenaufgaben ohne Substanz
  • viele Klassen langweilig
  • zum Teil lange Laufwege
  • zu leicht
Testnote 7,0 von 10
Bewertet von Sergej Jurtaev
5,0 / 10
Spielzeit
10 / 10
Einstieg
9,0 / 10
Technik
Informationen zum Spiel

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10
Leserwertung

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